Liebe Pilger*innen,
liebe Besucher*innen der Heilig-Rock-Tage,
„Unglaublich: Ich glaube“, so lautete das Motto der Heilig-Rock-Tage 2025. Zu diesem Motto hatte uns das Jubiläum des Glaubensbekenntnisses von Nicäa inspiriert. Auch nach 1.700 Jahren ist dieser Text eine verbindende Grundlage für alle Christinnen und Christen weltweit.
Für die Heilig-Rock-Tage 2026 haben wir nun das Leitwort gewählt:
Unbegreiflich: Ich hoffe
Nach dem „Glauben“ steht nun mit der „Hoffnung“ die zweite der drei sogenannten göttlichen Tugenden im Mittelpunkt. Sie haben ihren Ursprung im ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 13,13).
Sie werden sich erinnern: Die Hoffnung war auch das Leitmotiv des Heiligen Jahres 2025, das Papst Franziskus ausgerufen und Papst Leo XIV. nach seiner Wahl kraftvoll weitergeführt hat. „Pilger der Hoffnung“ dürfen und sollen wir Christinnen und Christen sein.
Doch gibt es in unserer Zeit nicht genug Gründe, die Hoffnung aufzugeben? – Noch ein Krieg, noch ein Despot, noch eine schlechte Wirtschaftsprognose ... Oder im Privaten: Noch eine schlimme Nachricht. Vielfach sind die Reaktionen dementsprechend harsch: Enttäuschung, Wut, Resignation. Manche sagen: Ich kann mich nicht um die Not der anderen kümmern, wenn ich für mich selbst keine gute Zukunft sehe.
Man muss nicht christlich empfinden, um hoffen zu können, dass die Dinge dieser Welt besser werden. Wer andere Quellen findet, um hoffen und deshalb handeln zu können, pflege und nutze sie. Christliche Hoffnung baut auf dem gläubigen Vertrauen auf, das sagt: Es gibt seit der Auferstehung Jesu gute Gründe für eine hoffnungsfrohe Lebenshaltung, auch wenn unsere Lebenswege nicht selten überschattet oder gar unbegreiflich sind.
Für die christliche Rede von der Hoffnung ist entscheidend, dass sie nicht an der Not und Verzweiflung dieser Welt vorbeigeht. Die christliche Hoffnung verbindet sich mit dem Handeln hier und jetzt und in dieser Welt. Die christliche Hoffnung nimmt die Nöte dieser Welt wahr und ernst. Sie ist etwas anderes als bloßer Optimismus. Dieser kann naiv die Augen verschließen und das Schmerzhafte ignorieren. Die christliche Hoffnung ignoriert nicht. Wer mit ihr hofft, und sei diese Hoffnung noch so klein und zaghaft, der nimmt Anteil und handelt – nicht in Wut, sondern zum Besseren. Das erscheint manch einem als unbegreiflich.
Das Leitwort der diesjährigen Heilig-Rock-Tage ist ein guter Anlass, sich in den vielen Gottesdiensten und Angeboten von der Hoffnung inspirieren zu lassen. Wie schön, wenn wir – bestärkt durch die Erfahrung dieser Tage – sagen können: „Unbegreiflich – Ich hoffe!“
Seien Sie herzlich willkommen zu den Heilig-Rock-Tagen, unserem Bistumsfest!
Ihr Bischof
Dr. Stephan Ackermann


