Navigation überspringen
 
Pilgern
Zeit für die schönen Anblicke auf dem Weg.
Man sieht Treppen zu einer Mutter-Gottes-Kapelle. Davor ein Baum im Herbstlaub

Pilgern - Wie geht das...

1. Regel: Gehen

Pilgern geht, indem du gehst.

2. Regel: Tragen

Trage das bei dir, was dir zum Leben notwendig ist und was sich als ertragbar erweist.

3. Regel: Abschied

Nimm Abschied von dem, was dein Zuhause ist. Lass los, was dich zurückhält.

4. Regel: Tempo

Geh in dem Tempo, das dir entspricht, das frei ist von sportlichem Leistungsdruck und von Wettkampfgedanken.

5. Regel: Mit allen Sinnen

Geh mit allen Sinnen und setze dich dem aus, was dir begegnet

6. Regel: Mit Gott

Geh mit Gott und trage deine Bibel im Herzen

7. Regel: Heimkehr

Am Ziel deines Weges verkoste deine Wegerfahrungen – und kehre erneuert zurück.

Pilger-Rüstzeug

Gleich geht es los. Hoffentlich alles dabei.
Eine Frau mit Rucksack und Wanderstöcken schaut auf eine Landkarte

Deine Schuhe

Sie sind das Zuhause deiner Füße für viele Stunden. So wie sie gewirkt sind, wirken sie auf deine Füße, bewirken ein angenehmes oder auch unangenehmes Gehgefühl. Sie erlauben dir, die Welt im Schritttempo nach MS (= Menschenstärke) statt PS zu entdecken – in deinem ureigenen Tempo. Deine Schuhe erzählen die Geschichte deines Weges.

Dein Pilgerhut

Gut behütet durch deinen Pilgerhut hast du Schutz vor Sonne und Regen. Er wird ein Zuhause deines Kopfes und lässt deinen Gedanken freien Raum.

Dein Pilgerrucksack

Dein Hab und Gut reduziert auf das Lebensnotwendigste trägst du bei dir, sicher verpackt, vor Wind und Wetter geschützt. Du wiegst den Rucksack vor Antritt der Pilgerreise, wägst genau ab zwischen nötig und unnötig. Was du tragen kannst, ertragen kannst, nimmst du auf dich, nicht mehr.

Deine Jacke

Leichtgewichtig, wasserabweisend, atmungsaktiv – fast wie eine zweite Haut ummantelt dich deine Jacke, umhüllt dich wärmend und schützend.  Sie erlaubt dir beim Gehen ganz bei dir zu sein, dich in Schweigen zu hüllen, die Lasten des Alltags wie Wassertropfen an dir abperlen zu lassen.

Dein Pilgerstab

Dein Anhaltspunkt für die Zeit des Unterwegsseins; an ihm kannst du dich festhalten, abstützen beim Auf- und Abstieg oder dich zur Wehr setzen ( z.B. gegen angriffslustige Hunde). Wie den Mose macht dich dein Stab zum Hirten / zur Hirtin, zu Hüter oder Hüterin deiner selbst.

Dein Evangelium

Als geistige Wegzehrung trage die Worte aus der Bibel, etwa aus den Evangelien oder aus dem reichen Schatz der Psalmen mit dir, die dir wichtig geworden sind.  Es lohnt sich, einen einzigen Satz so lange im Gehen zu meditieren, bis er eingängig wird und mitträgt.

Warum pilgern?

Zum Glück sieht man als Pilger nicht jeden Tag so aus.
Man sieht mit Matsch überzogene Wanderschuhe und Hose

Warum sich den körperlichen Strapazen aussetzen, um sich bei Wind und Wetter stundenlang zu Fuß oder mit dem Rad durch Wald, Feld und Wiesen nach Trier zu begeben?

Nicht erst seit Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg…“ ist Pilgern populär. Seit Menschheitsgedenken gehört es zur Tradition in allen Religionen.
Pilgern (aus dem lateinischen „peregrinare“: „über den eigenen Acker hinaus gehen“) lädt ein, innere und äußere Grenzen zu überwinden.  Indem sich der Mensch als Pilger auf den Weg zu einem Ziel begibt, tritt sie oder er hinaus aus der Alltagswelt, verlässt die Rollen, in denen zu leben jeder und jedem  täglich aufgegeben ist. Pilger betreten eine neue Welt, in der sie fremd sind, in denen sie sich den Gegebenheiten und Unwegsamkeiten des Unterwegsseins aussetzen. Begrenzt durch ein Gepäck, das aufs Nötigste eingeschränkt werden muss, um überhaupt tragbar zu sein, begrenzt durch die eigenen körperlichen Kräfte – von nun an gelten MS (= Menschenstärke) statt PS - gelangen Pilger und Pilgerin an Grenzen; diese Grenzen  können zu Chancen werden.

Was treibt einen Menschen dazu, sich selbst zum Packesel zu machen und aufzubrechen?

Eine uralte Sehnsucht, die jeder Mensch von Beginn an in sich trägt, ist die Wurzel aller Pilgerströme, die sich über die Erde ziehen. „Du hast uns zu dir hin geschaffen, Gott, und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir.“ So umschreibt Augustinus den Aufruf Gottes an jeden von uns. In der Bibel ertönt das „Lech lecha“ (hebräisch: „geh gehend“) an Abraham und Sara zum Aufbruch aus Vertrautem in das verheißene Land.
Diesem Aufruf ähnlich lud das Motto der Heilig-Rock-Wallfahrt von 2012 mit den hier vorgestellten sieben Pilgerwegen ein, sich Pfarrei-, Stadt-, Bistums- und Länder-übergreifend in mehreren Tagesetappen nach Trier zu begeben. Das Wegenetz verbindet dabei  Wallfahrtsorte, die z.T. in Vergessenheit geraten sind mit solchen, die sich noch immer großer Verehrung erfreuen. So korrespondiert die Faszination des Gewandes Jesu mit dem Wunsch, „auf Tuchfühlung“ zu gehen, etwas hautnah erleben zu wollen.
In seinem Menschsein wurde Gott in Jesus ein Gott zum „Anfassen“, begreifbar. Auf dem Pilgerweg kann jede und jeder das eigene Menschsein mit Leib, Seele und Geist erfahren, sich selbst neu begreifen lernen als eine von Gott geliebte Tochter, als ein von Gott geliebter Sohn.

Beispiel für eine Box mit viel zu großem Abstand nach unten